Begeisterte Zuschauer verliessen am Sonntagabend das Bergrennen Oberhallau. Und sie waren in Scharen gekommen: Der Hang nach der berühmten Tarzankurve und die Startzone waren schon lange nicht mehr so gefüllt wie an diesem Wochenende. Die Zuschauerzahl dürfte sich damit zwischen 14'000 und 15'000 bewegen, am Vormittag stauten sich die Autos zeitweise bis ins benachbarte Neukirch. Auf dem Programm standen einige spannende Kämpfe, so wie das zwischen "Raketen"-Bruno Ianniello und Hans Schori, die am Samstagabend nach dem Training nicht einmal eine halbe Sekunde auseinander lagen. Am Sonntag blieb Hans Schori glücklos; er flog beim ersten Rennlauf ab und beschädigte seinen Mitsubishi Evo RS derart, dass er für den 2. Lauf nicht antrat. "Raketen-Bruno" hatte dann keine wirklichen Gegner mehr und entschied die Wertung klar für sich.
Zu kleineren Unfällen und Ausflügen neben die Strecke kam es bis am frühen Sonntagnachmittag leider regelmässig. "Die Zahl der Ausfälle war heute wirklich ungewöhnlich hoch", zog Vize-Rennleiter Roland Bach am Abend Bilanz. Müssen die ersten Abflüge am Morgen noch mit kalter Strecke und kalten Reifen erklärt werden, kann über die Gründe der späteren Häufung der Ausfälle nur spekuliert werden. Der Zeitverlust im Rennablauf blieb nicht ohne Konsequenzen: Der 3. und letzte Rennlauf musste kurzfristig gestrichen werden.
Darüber hinaus zeigten die Fahrer am Sonntag überragende Leistungen: Reto Meisel erfüllte alle Erwartungen und fuhr im 2. Rennlauf in 1:16.44 auf die Krete. Für Tourenwagen bedeutet dies einen neuen Rekord am oberhallauer Berg. Toni Bühlers Team hatte vor dem Rennen den Meisel-Mercedes in Schlagdistanz gesehen. Bühler im Opel Astra V8-DTM hatte gegen den diesjährigen deutschen Tourenwagen-Bergmeister aber keine Chance und blieb fast fünf Sekunden zurück.
Das Duell des alten Lokalmatador Fritz Erb gegen den deutschen Berg-Star Holger Hovemann war da schon enger. Erb steckte das Revier zwar schon am Samstag ab und distanzierte Hovemann im gelben Opel Risse Kadett um 1,7 Sekunden. Am Rennsonntag kam der ungleich jüngere Hovemann dann bis auf eine gute Sekunde an Fritz Erb heran, der Hallauer-Veteran entschied damit die Wertung in der sehr gut besetzten Kategorie E1 1600-2000 ccm für sich.
Den Tagessieg holte sich allerdings Marcel Steiner im offenen Martini MK-77 BMW-Sportwagen. Mit seinen 1:13.39 kam er zumindest in die Nähe des absoluten Streckenrekords aus dem Jahre 2005 (1:12,26). Nur mit Abwesenheit glänzte sein direkter Konkurrent in der deutschen Bergmeisterschaft für Rennsportfahrzeuge Jörg Weidinger. Der deutsche zog es kurzfristig vor, beim zeitgleich stattfindenden Bergrennen Kyffhäuser zu starten, wo er um den Titel der genannten Meisterschaft fuhr. Ein reichliches unsportliches Verhalten, wenn man bedenkt, dass er nicht nur Marcel Steiner, sondern auch Uwe Lang im direkten Kampf um die deutsche Bergmeisterschaft für Rennsportfahrzeuge in Oberhallau zurückliess.
Eine ausgezeichnet organisierte Veranstaltung geht damit zu Ende, dies die dank dem unermüdlichen Einsatz des Vereins Pro Bergrennen Oberhallau, des Organisationskomitees und zahlreicher Vereine aus Oberhallau und Region.